Die Nullzinspolitik

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    • Die Nullzinspolitik

      Nach der Finanzkrise befinden sich die Zinsen immer noch auf einem Rekordtief und es wird durch die Zentralbanken weiterhin wie verrückt Geld gedruckt. Was denkt ihr, wie das ausgeht?
      Ehem. Ministerpräsident Bayern
      Oberster Richter


      Administrator




    • Ganz kurz: Fatal! :D Nein, aber im Ernst: Ich selbst besitze sicherlich nicht die finanzpolitische Kompetenz, einen eigenen Beitrag zur Diskussion zu leisten, aber man munkelt ja, dass die Nominierung von Frau Lagarde unter Experten nicht zwingend mit Jubelschreien zur Kenntnis genommen wurde :whistling:

      Aus der Perspektive eines interessierten Laien und eines Menschen, der so langsam in ein Alter kommt, in dem man beginnt, Ersparnisse aufzubauen und sich um das die finanzielle Situation Sorgen oder zumindest intensivere Gedanken zu machen, erscheint mir die über Jahre anhaltende Flutung Europas mit, nicht nur billigem, sondern subentioniertem Geld als etwas grotesk. Auf kurzfristigen Zeitskalen mag das Investitionen durchaus befördern und finanzschwächeren Ländern die Möglichkeit zum Schuldenabbau geben, aber auf Dauer sehe ich da eine Blase auf uns zukommen.
      Aber wie gesagt: Es gibt in dem Bereich zahlreiche Menschen (und sicherlich auch hier im Forum einige), die dort mehr Wissen und Erfahrung zusteuern können. Ich bin und bleibe vorerst im Wesentlichen Laie.
    • Also weil nebst Niedrigzinsen viele Baukredite teilweise auch nicht anhaltend festgesetzt auf dem Niveau aufgenommen wurden und andererseits der Bauboom auf nicht ausreichende Kapazitäten trifft, die den Marktpreis für Materialien und Dienstleistungen hochtreiben, rechne ich mit der Zahlungsunfähigkeit mancher Bauherren, wenn sich gewisse Parameter (etwa der Zinssatz oder die Marktpreise durch günstiges Geld als Gegenwert zur Ware in die Höhe schießen). Wohl dem, der davor seinen Bau im Groben zumindest abgeschlossen hat.

      Nur eine Laieneinschätzung, alle Angaben wie immer ohne Gewähr. :D

    • Earl Merfyn Metmann schrieb:

      Aus der Perspektive eines interessierten Laien und eines Menschen, der so langsam in ein Alter kommt, in dem man beginnt, Ersparnisse aufzubauen und sich um das die finanzielle Situation Sorgen oder zumindest intensivere Gedanken zu machen, erscheint mir die über Jahre anhaltende Flutung Europas mit, nicht nur billigem, sondern subentioniertem Geld als etwas grotesk. Auf kurzfristigen Zeitskalen mag das Investitionen durchaus befördern und finanzschwächeren Ländern die Möglichkeit zum Schuldenabbau geben, aber auf Dauer sehe ich da eine Blase auf uns zukommen.
      Ich fasse mich mal kurz, um hier nochmal einen Aspekt, der oft unterschätzt wird, darzustellen. :D

      Durch die Nullzinspolitik werden Banken gezwungen , Kredite an Leute (oder Staaten) zu vergeben, die besser keinen Kredit haben sollten. Dadurch werden Unternehmen, die eigentlich nicht mehr rentabel wirtschaften können, künstlich am Leben gehalten. Wenn das irgendwann in die Luft geht, haben wir Banken, die ohnehin schon immer weniger Gewinn machen und gleichzeitig an faulen Krediten leiden, was zu einer neuen, noch größeren Bankenkrise führen wird.
      Ehem. Ministerpräsident Bayern
      Oberster Richter


      Administrator




    • Helmut Müller schrieb:

      Ich fasse mich mal kurz, um hier nochmal einen Aspekt, der oft unterschätzt wird, darzustellen. :D
      Durch die Nullzinspolitik werden Banken gezwungen , Kredite an Leute (oder Staaten) zu vergeben, die besser keinen Kredit haben sollten. Dadurch werden Unternehmen, die eigentlich nicht mehr rentabel wirtschaften können, künstlich am Leben gehalten. Wenn das irgendwann in die Luft geht, haben wir Banken, die ohnehin schon immer weniger Gewinn machen und gleichzeitig an faulen Krediten leiden, was zu einer neuen, noch größeren Bankenkrise führen wird.
      Zombie Unternehmen. Halte ich für fatal und nicht marktwirtschaftlich. Unternehmen, deren Leistungsfähigkeit oder Innovationskraft nicht mehr ausreichend zum Betrieb des Gewerbes sind, müssen pleite gehen. Zwar hat das die Problematik, dass viele Arbeitsplätze wegfallen. Allerdings wird man sich irgendwann vor das weitaus bedeutendere Problem gestellt sehen, dass die Wirtschaftskraft permanent überbewertet war und das der Beginn einer größeren Rezession sein kann.

      Allerdings muss man nicht mal so weit gehen und von einer gezwungenen Kreditvergabe sprechen. Durch die niedrigen Zinsen muss eine Person weniger leistungsfähig sein, um einen Kredit bedienen und bekommen zu können. Das schlägt sich natürlich auch in den Bewertungen der Banken nieder. Vielmehr noch müsste man als Investor oder Häuslebauer fast schon blöd sein und in der aktuellen Phase keine Schulden aufzunehmen. Zwar kann ich nicht von mir sagen, dass ich Experte beim Thema Wirtschaft bin. Aber wenn es blöd läuft, könnte es durchaus richtig knallen, wenn die Zinsen wieder ansteigen. Interessant wäre zu wissen, ob die Verträge der Banken dynamische oder starre Zinsen vorsehen. In jedem Falle würde eine Anhebung der Zinsen zu einem Drahtseilakt der EZB werden.


      Ministerpräsident

      Staatsministerium des Inneren & der Justiz
    • Ganz genau das ist das Problem mit den Dingern. Wenn die pleite gehen, haben wir plötzlich viele freie Arbeitskräfte, was langfristig vielleicht sogar zu einer Produktivitätssteigerung führen kann.

      Naja, eine Bank will ja Geld machen. Das kriegt sie hin, indem sie Kredite vergibt. Da bei einem niedrigen Zins die Marge zwischen Einlagezins, den sie an den Kunden ausschüttet, und Kreditzins deutlich niedriger ist, muss sie die Gewinne anders erwirtschaften — und zwar indem sie die Quantität der Kreditvergabe erhöht, was natürlich auf Kosten der Qualität geht.

      Die Zinsen werden nicht mehr ansteigen, da die Notenbanken das ja auch wissen — ganz im Gegenteil, die Zinsen werden eher noch sinken, da sonst die Aktienmärkte den Abgang machen, was man ja im kurzen, moderaten Zinserhöhungszyklus der Federal Reserve gesehen hat. Ich prognostiziere, dass die Leitzinsen mittelfristig in den mittleren, negativ einstelligen Bereich fallen werden, einfach weil das ganze System in den nächsten zwei Jahren crasht und daraufhin die Zinsen logischerweise wie in jeder Krise fallen werden.
      Ehem. Ministerpräsident Bayern
      Oberster Richter


      Administrator




    • Helmut Müller schrieb:

      Ganz genau das ist das Problem mit den Dingern. Wenn die pleite gehen, haben wir plötzlich viele freie Arbeitskräfte, was langfristig vielleicht sogar zu einer Produktivitätssteigerung führen kann.

      Naja, eine Bank will ja Geld machen. Das kriegt sie hin, indem sie Kredite vergibt. Da bei einem niedrigen Zins die Marge zwischen Einlagezins, den sie an den Kunden ausschüttet, und Kreditzins deutlich niedriger ist, muss sie die Gewinne anders erwirtschaften — und zwar indem sie die Quantität der Kreditvergabe erhöht, was natürlich auf Kosten der Qualität geht.

      Die Zinsen werden nicht mehr ansteigen, da die Notenbanken das ja auch wissen — ganz im Gegenteil, die Zinsen werden eher noch sinken, da sonst die Aktienmärkte den Abgang machen, was man ja im kurzen, moderaten Zinserhöhungszyklus der Federal Reserve gesehen hat. Ich prognostiziere, dass die Leitzinsen mittelfristig in den mittleren, negativ einstelligen Bereich fallen werden, einfach weil das ganze System in den nächsten zwei Jahren crasht und daraufhin die Zinsen logischerweise wie in jeder Krise fallen werden.
      Na hoffentlich kommen auf die Privatkunden keine Negativzinsen zu... erste Versicherungen beginnen schon, selbst das Geld einzulagern statt bei einer Bank