Politikverdrossenheit

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    • Politikverdrossenheit

      Schwieriges Thema. Ich sehe mich als einen sehr politisch interessierten Menschen an, jedoch verspüre ich immer mehr das Gefühl der "Politikmüdigkeit". Es kann natürlich auch zum Teil am Umfeld liegen, bei mir ist es relativ eindeutig. Mein Freundeskreis ist komplett desinteressiert was Politik angeht. Ich weiß auch, dass einige meiner Freunde nicht am 26. Mai zur Wahlurne gehen werden. Die Gründe sind die üblichen. "Es passiert doch eh nichts." "Warum sollte ich wählen, meine Stimme macht sowieso keinen Unterschied aus." oder ganz plump "Ich habe keine Lust hinzugehen." Auch in meiner Familie sieht es nicht besser aus. Keine Lust auf Politik, wobei ich von meinem Vater weiß, dass er entweder SPD oder CDU wählt und die Linke und die AfD verabscheut, jedoch in meinen Augen recht populistisch ist, ach ich weiß es nicht . Zudem darf meine Mutter nicht mal wählen. Nun, die Gründe meiner Freunde kann ich teils sogar verstehen. Uns geht es bestens hier, warum sollte sich etwas ändern? Ich selbst aber verstehe das Recht zum Wählen als ein Menschenrecht, man selbst kann mitbestimmen, wie es im Land laufen soll.

      Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Zweifel kommen auf. Politiker werden durch Lobbyisten beeinflusst, Wahlversprechen werden nicht eingehalten, echte Probleme können nicht gelöst werden, die Umwelt ist nur ein Bereich. Muss sich in Deutschland etwas ändern? Ich weiß es selbst nicht. Meine Gefühle kann man wohl am besten mit dem Facebook-Status:" Es ist kompliziert." beschreiben.

      Was meint ihr...?



      Wahladmin
    • Solche Phasen kenne ich, da denke ich mir einfach nur, warum schaust du dir den ganzen Shit eigentlich noch an und machst nicht stattdessen, was dir am Besten gefällt?

      Ich denke, je kritischer man von vornehrein die Politik betrachtet, desto weniger nehmen einen Enttäuschungen mit und Lobbyismus ist nun mal da, der wird so schnell nicht verschwinden, stattdessen weitet sich Politik auf gegensätzliche Lobbygruppen aus.

      Man muss nicht immer für Politik brennen, wichtig ist, dass du dein Glück außerhalb dessen suchst :)

    • Ich würde bei mir nicht von Politikverdrossenheit sprechen, denn Politik interessiert mich und wird es auch weiterhin tun. Was mich aber beschäftigt, ist die Langeweile, die in meinen Augen die Politik heutzutage bestimmt. Mir fehlen Visionen, umfassende Konzepte, Ideen für die Zukunft. Und vor allem fehlt mir Unterscheidbarkeit. Alle Parteien der sogenannten Mitte erzählen mir im großen und ganzen dasselbe. Mir fehlt das politische Ringen um gute Konzepte, der Streit um die richtige Vision für die Zukunft. Wen soll ich wählen, wenn mir alle dasselbe erzählen. Mir wird zuviel nur für eine Legislaturperiode gedacht und an die eigene Karriere. Deshalb beschäftige ich mich momentan mehr mit Politik und Umsetzung von Politik in anderen europäischen Ländern. Deutschland ist mir zu langweilig geworden. Ich wünsche mir wieder mehr politischen Diskurs gerade zwischen den Parteien, so daß es wieder möglich ist zwischen Parteien und ihren Konzepten zu wählen und nicht nur dasselbe unter anderem Namen wählen zu können.
    • Ich find Lobbyismus normal. Und ich denke, dass Länder ohne Lobbyismus schlechter regiert würden. Lobbyisten sind zwar Interessengruppen aber eben Berater. Politiker sind ja nicht in jedem Gebiet Experten, die brauchen halt Inputs aus Wirtschaft, Gesellschaft und von NGOs, um möglichst gute Entscheidungen zu treffen.
      Natürlich gibt es Hardliner, sowohl links als auch rechts, die einfach ihr Wahlprogramm abarbeiten - Beispiel Trump. Die hören nicht groß auf Bedenken. Die haben was versprochen und halten das dann. Aber in der Regel muss man halt davon ausgehen, dass gerade bisherige Oppositionsparteien ihre Versprechen nicht halten können, wenn sie an die Regierung kommen. Das war bei der FDP so mit den Steuersenkungen und das wird bei den Grünen ähnlich sein, wenn die mal regieren.

      Politikverdrossenheit verspüre ich eher bei diesem ständigen Geframe. Aber das ist ein Thema für sich. Ich denke ohne Geframe, würden noch weniger wählen gehen, weil durch das Geframe halt jede Wahl zur "Schicksalswahl" hochstilisiert wird etc. ^^

      Also man muss sich halt überlegen, welche Wahlversprechen sind realistisch und danach gehen. Das muss man selbst filtern und an sonsten sind Wahlen häufig halt Richtungswahlen. Also da geht es dann um die Frage, wie wird auf Krisen reagiert. Das gibt es unterschiedliche Politikansätze und da muss man entscheiden, welche politische Werteströmung hier man für richtig hält.
      Aktuell ist sind es aber nicht mehr so wirklich Richtungswahlen, weil es kein politisches Lager aktuell eine Mehrheit bekommen kann. Dadurch sind derzeit vor allem lagerübergreifende Regierungen möglich. Und da halten sich Veränderungen natürlich in Grenzen.

      Wobei Rot-Rot-Grün in den Umfragen derzeit nur noch wenige Prozentpunkte von einer Mehrheit entfernt ist. Es kann also sein, dass demnächst wirkliche Richtungswahlen anstehen werden.
      Persönliche Angriffe sind die Argumente jener, der über keine Argumente mehr verfügen.
    • Diese Aussagen kenne ich nur zu gut. Leider sind es immer die gleichen Sprüche. Ich würde verstehen, wenn man aktiv dagegen argumentieren würde wie "Es gibt keine Partei, der ich meine Stimme geben könnte, da keine meiner Perspektive entspricht". Das könnte ich besser verstehen als "Es ändert sich ja nichts", - "Warum sollte ich wählen, meine Stimme macht sowieso keinen Unterschied aus"

      Diese Aussagen sind schlichtweg Falsch. Das sich etwas geändert hat, sollte jeder bei der EU Richtlinie zum Urheberrecht im Digitalen Binnenmarkt mitbekommen haben. Das Ergebnis dieser hätte anders ausgesehen, hätte man anders gewählt. Das sich dort auch Menschen beschwert haben, die nicht mal ihren Hintern gehoben haben um zur Wahlurne zu gehen, finde ich too much. Die Wahlbeteiligung zur letzten Europawahl lag in Deutschland bei 48%. Europaweit waren es nur ca 43%. (Angaben ohne gewähr. Schau jetzt nicht nach. Hatte die Zahlen nicht im Kopf). Diese Zahl bezieht sich auf die Personen, die zu dieser Zeit wählen durften . Und das sind die, über die ich nun spreche.

      Ich hatte auch nie etwas gegen "Artikel 13/17" Demonstrationen. Ich hatte aber was dagegen, dass Nicht-Wähler Teil dieser demonstrationen waren. Es ist nicht meine Art des Politikverständnisses. Ja, die Abgeordneten stehen für das GANZE Volk. Das GANZE Volk hielt es aber nicht für nötig, an die Wahlurne zu gehen, und andere wählen zu lassen. Das Ergebnis der Wahlen sähen bei 80% Beteiligung doch ganz anders aus. Wenn ich nicht wähle, habe ich mich auch nicht zu beschweren, dass meine Vertretung schlechte Arbeit leistet. Das finde ich anmaßend. Personen, die nicht wählen durften zu dem Zeitpunkten sind hierbei ausgenommen. Sie durften nicht, hätten ggf aber.

      Es ist wichtig, dass in Europawahlen und Bundestagswahlen die Wahlbeteiligung so hoch wie möglich ist. Stellen wir uns mal vor, jeder Wähler denkt so und unsere Wahlbeteiligung bei den BTW lägen anstatt bei den 76% bei 30%. Wie sähe unser Bundestag aus? 70-80% AfD?

      Jeder wie er will. Aber Freie Wahlen sind ein Privileg und ein Menschenrecht. Eines der höchsten aller Rechte. Wir haben das Glück, in solch einer Starken Demokratie zu leben. Leider schätzen viele dieses Privileg nicht und beschweren sich lieber, als mit ihrer Stimme etwas zu verändern...

      So, tut mir leid. Das Musste raus. Katharina, wir gehen einfach wählen und dann wissen wir, dass wir wenigstens irgendwie vertreten werden ;)
    • Ich bin Phrasenmüde - die immer selben Sprüche, die immer selben Sätze in Dauerschleife, ohne das es relevante Neuerungen gibt. Man schaue sich mal die Talkshows von Maischberger an - furchtbar, wirklich furchtbar. Das ist wirklich schlecht was da dem Wähler geboten wird.

      Felix Schwalbenbach schrieb:

      Jeder wie er will. Aber Freie Wahlen sind ein Privileg und ein Menschenrecht. Eines der höchsten aller Rechte. Wir haben das Glück, in solch einer Starken Demokratie zu leben. Leider schätzen viele dieses Privileg nicht und beschweren sich lieber, als mit ihrer Stimme etwas zu verändern...
      Das Problem dabei ist, daß viele Stimmen durch die 5%-Hürde hinten herunterfallen und dadurch faktisch nichts bewirken ausser das Parteien gestärkt werden, die man nicht stärken will. Die Müdigkeit gegenüber den Bundestagsparteien kann ich sehr gut nachvollziehen und würde es auch als unnormal empfinden.

      Nicht-Wählen kann aber auch ein Akt der Rebellion gegen die herrschenden Verhältnisse sein und man sollte es respektieren, denn es ist auch eine zulässige Meinung. Es heißt Wahlrecht und nicht Wahlpflicht und wer nicht wählt gibt damit auch eine Erklärung ab - welche ist allerdings Interpretationssache - es gibt Leute, die sind zufrieden, die sagen, es gibt nichts, was geändert werden sollte und es gibt solche, die die Schnauze voll haben von diesem Politikbetrieb.

      Eine Demokratie lebt davon, daß es Änderungen gibt und geben kann und das sehe ich in Deutschland derzeit nicht. Die Groko lastet wie giftiger Mehltau auf dem Land und erstickt alles mit Trägheit und Phrasen.

      Grundsätzlich muss sich in Deutschland was ändern - und zwar das Verständnis der Parteien und der Politiker. Ihr Einfluss muss beschnitten werden und gleichzeitig müssen sich Politiker als Diener des Volkes begreifen und nicht als Diener einer Partei oder Gott bewahre einer Ideologie. Auf der anderen Seite müssen auch die Wähler lernen, daß man es nicht allen Recht machen kann und das es immer wieder zu Entscheidungen kommen wird, die einem nicht passen.
      Mitglied des Spielerrates a.D.
    • Wenn immer mehr Politiker auftreten und in Spitzenämter gewählt werden, in denen sie eindrucksvoll demonstrieren, wie weit sie von den Bürgerinnen und Bürgern entfernt sind, wundert mich eine Politikverdrossenheit nicht sehr.

      Beispiel Nahles: hat nie richtig gearbeitet. War immer in der Politik. Wie genau will sie denn einschätzen, wie es einer alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern geht? Wie will sie dieser Mutter auch nur annähernd klar machen, wie Haushalt, Job und Familie unter einen Hut geht?

      Wir brauchen Politiker, die sich mehr mit der Basis als mit sich selbst beschäftigen. Politiker, die wirklich was für die Menschen machen wollen. Ohne dabei auf das eigene Goldsäckle zu achten und zu schauen, wie es voller werden kann.
    • Kann ich mich (leider) anschließen. Ich bin ein sehr politischer und interessierter Mensch. Aber die aktuellen Zeiten machen es einem nicht leicht. Bei der Europawahl war es für mich die Wahl des geringsten Übels - weil ich Nichtwähler noch schlimmer finde. Es geht gefühlt nur noch um Macht(erhalt). Wobei ich mich dann frage, ob das nicht auch schon immer so war?

      Wenn ich Politiker reden höre wie: "Wir müssen gegen die Rechtspopulisten kämpfen!" Nein, das sollt ihr nicht! Ich möchte, dass ihr Politik macht, weil ihr von etwas überzeugt seid und nicht weil ihr anderen etwas abgraben wollt. Gutes Beispiel CDU: überlegt sich, ob man die Wähler rechts der Mitte oder links der Mitte gewinnen will? Heißt das es geh überhaupt nicht um Ideen? Sozusagen eine flexible Partei und mann nimmt sich die Positionen raus, mit denen man am meisten gewinnen kann.

      Ich vermisse Politiker mit einer klaren Vision mit der ich mich auch identifizieren kann.

      Stellvertretender Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses
    • Sorry. Politiker müssen auf ihre Basis achten, sonst werden sie nicht wiedergewählt.

      Zur Verdrossenheit, Politik ist nunmal je nach Ebene trocken, spannend, ehrlich, verlogen etc.
      Das Problem ist vielmehr, dass viele eben nichts mit Themen anfangen möchten. Sonst würden keine Kandidatenplakate gehängt.

      Das einer wirklich nichts mit Politik zu tun hat, glaube ich nicht. Egal wo ich bin, die Leute sind politisch. Manche kommunizieren es mehr, andere weniger.
      Bin ich ein Sim, der erkannt hat ein Sim zu sein und sich als solcher verhält?