Der Bundeskanzler | David Fuhrmann in Griechenland: "Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit ist die beste Werbung für Europa"

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    • Der Bundeskanzler | David Fuhrmann in Griechenland: "Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit ist die beste Werbung für Europa"



      Pressemitteilung 04/10
      Kanzler David Fuhrmann in der Hellenischen Republik:
      "Die Wirtschaftskrise ist noch nicht bewältigt"

      Επίσκεψη του καγκελαρίου της Ομοσπονδιακής Δημοκρατίας
      της Γερμανίας στην Ελληνική Δημοκρατία


      Bundeskanzler David Fuhrmann setzte seine Balkan-Reise am Mittwoch in Griechenland fort. Nach seiner Ankunft auf dem Athener Flughafen Eleftherios Venizelos und einem Besuch des Grabmals des unbekannten Soldaten am frühen Morgen traf er in der Megaro Maximou, dem Amtssitz des Ministerpräsidenten, auf den Regierungschef Alexis Tsipras. Der Bundeskanzler, der seinen Amtskollegen mit einer Umarmung begrüßte, hat sein erstes Statement auf Griechisch abgegeben: "Ανυπομονώ για ενδιαφέρουσες συζητήσεις και είμαι βέβαιος ότι μπορούμε να δώσουμε σημαντικές παρορμήσεις. Ich freue mich auf interessante Gespräche und bin zuversichtlich, dass wir wichtige Impulse setzen können." Tsipras betonte, dass sich sein Land seit dem letzten Besuch eines deutschen Regierungschefs gewandelt habe. "Ich möchte Herrn Bundeskanzler hier in Griechenland noch einmal herzlich willkommen heißen. Wie ich vor Kurzem schon sagte, kommen die Vertreterinnen und Vertreter Deutschlands in ein Griechenland, das ein ganz anderes Griechenland ist als das, welches sie kannten. Es ist ein anderes Griechenland als das, was Sie damals sahen", sagte er mit Blick auf die Wirtschaftskrise.



      Das wohl wichtigste Gesprächsthema aus Sicht Fuhrmanns war am Mittwoch die ökonomische Erholung der von der Wirtschaftskrise besonders betroffenen europäischen Staaten, zu denen die Hellenische Republik zweifelsfrei gehört: "Die Wirtschaftskrise ist solange nicht vorbei, wie Menschen an ihren Folgen leiden. Sie ist daher noch nicht bewältigt. Ich schätze sehr Ihre Mühen und Ihre Einschätzung dahingehend, dass wir heute ein anderes Griechenland vorfinden, als noch vor Jahren. Das stimmt ungemein. Wir stehen aber noch immer vor großen Problemen. Die Jugendarbeitslosigkeit in Ihrem Land beträgt 39,5 Prozent. Damit zusammenhängend befindet sich das Zugehörigkeitsgefühl der griechischen Bürgerinnen und Bürger zur Europäischen in einem Tief: Nur 37 Prozent der Menschen sehen sich der Europäischen Union nahe. Ich bin der Ansicht, dass diese Situation nachvollziehbar ist: Wir haben viel dafür getan, um Banken, die too big to fail sind, vor dem Fail zu bewahren. Für sie ist die Krise vorbei. Die Renten, die Löhne, die Beschäftigungschancen insbesondere jüngerer Menschen aber sind noch immer auf Krisenniveau. Wollen wir Europa und das europäische Griechenland stärken, müssen wir die soziale Situation in Griechenland stärken. Wollen wir, dass eine selbstbewusste, europäische griechische Jugend heranwächst, müssen wir ihr eine Zukunftsperspektive bieten, Arbeitsplätze schaffen." Der Kanzler will den ökonomischen Austausch zwischen Deutschland und Griechenland vertiefen. So haben sich die zwei Regierungschefs darauf geeinigt, dass Deutschland im Jahr 2020 das Gastland der Internationalen Messe Thessaloniki sein wird. Fuhrmann und Tsipras werden sich für eine weitere Zunahme der deutschen Direktinvestitionen in der Hellenischen Republik einsetzen.

      Intensiv war ebenso die europäische Flüchtlingspolitik ein Thema. David Fuhrmann bekräftigte seine Solidarität mit Griechenland: "Es kann nicht sein, dass wir die europäischen Staaten, die eine Außengrenze der Europäischen Union haben, bei der Bewältigung der Flüchtlingsbewegungen alleinlassen. Wir dürfen und werden uns nicht aus dem Dublin-Abkommen. ausruhen." Der Bundeskanzler hält die Umstände auf den griechischen Inseln für "unhaltbar". Weder den dort untergebrachten Geflüchteten noch den die Inseln bewohnenden Griechen könne diese Lage zugemutet werden. Auch das noch immer stattfindende Ertrinken im Mittelmeer und im Ägäischen Meer im Einzelnen müsse endlich ein Ende finden. Alexis Tsipras erklärte dazu: "Es muss eine Lösung in der Flüchtlingsfrage gefunden werden, ja. Aber es muss eine Lösung sein, die unsere Werte aufrechterhält. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Humanismus einer unserer größten Werte ist. Das ist ein Wert für all diejenigen, die in Europa sind und leben." Europa müsse zu einer Wertegemeinschaft werden und dürfe nicht zur Zusammenarbeit a la carte verkommen. Der deutsche Kanzler stimmt diesen Worten zu.

      Nach dem Treffen mit dem Ministerpräsidenten Tsipras besuchte Fuhrmann, dem durch den Ministerpräsidenten eine traditionelle griechische Bouzouki geschenkt wurde, am Nachmittag die Deutsche Schule in Athen, wo deutsche und griechische Jugendliche gemeinsam lernen. In der Schulaula stellte er sich den Fragen der rund 300 Schülerinnen und Schüler. Beliebteste Gesprächsthemen waren der Brexit, das Verhältnis der Europäischen Union zur Republik Türkei, die Rolle Griechenlands in der Europäischen Union und der Umgang mit der Flüchtlingsthematik. Im Anschluss fand in der Deutschen Botschaft eine Begegnung mit griechischen Kulturschaffenden, Wissenschaftlern und Intellektuellen sowie mit Vertretern deutscher und griechischer Unternehmen statt: Dabei ging es vor allem um den Stand der wirtschaftlichen Erholung in Griechenland. Am Abend folge im Präsidentenpalast ein Gespräch mit dem Staatspräsidenten der Hellenischen Republik, Prokopis Pavlopoulos. Am späten Abend überraschte Fuhrmann die griechischen Fernsehzuschauer mit einem Auftritt in einer Unterhaltungssendung. In der zuvor aufgezeichneten Musikshow wurden Lieder aus Griechenland und Deutschland gesungen, auch Fuhrmann griff zum Mikrofon: Gesprächsthema in den sozialen Netzwerken wurde, dass der deutsche Kanzler das Rempetiko-Lied "Tha saltaro" sang, welches das Überleben im von Nazi-Deutschland besetzten Athen thematisiert und den Widerstand griechischer Draufgänger gegen die Soldaten der Wehrmacht mit zynischen Sätzen darstellt.



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      Info-Hotline Bundeskanzleramt
      Für Sie jeden Tag von 8 bis 22 Uhr kostenfrei erreichbar
      155
    • Charlotte Rose schrieb:

      Herr Bundeskanzler, wie positionieren Sie sich zu den gestellten Forderungen auf weitergehende Reparationszahlungen an Griechenland?
      Die deutsche Wehrmacht hat in Griechenland etliche Verbrechen gegen die Menschheit begangen und unschuldige Menschen getötet. Im mittelgriechischen Dorf Distomo wurden am 10. Juni 1944 - also am gleichen Tag wie das Massaker von Oradour in Frankreich - 218 der circa 1800 Bewohner, vor allem alte Menschen und Frauen sowie viele Kinder und Säuglinge durch die Waffen-SS ermordet. Im Konzentrationslager Haidari in Athen waren 25.000 Menschen inhaftiert. Griechenlandweit wurden 60.000 bis 70.000 Juden ermordet. Ich mache auf die Liste der Märtyrerdörfer und Märtyrerstädte Griechenlands aufmerksam. Ich verneige mich vor den Opfern des nationalsozialistischen Terrors in Griechenland und bitte vor allen Dingen um Verzeihung für das, was dort geschehen ist. Meine Bundesregierung und ich teilen den Schmerz der Griechen von Herzen.

      Das Parlament Griechenlands hat Mitte April eine Reparationszahlung in Höhe von mindestens 289 Milliarden Euro eingefordert, nachdem eine Kommission vor drei Jahren einen solchen Betrag festgesetzt hatte. Dabei handelt es sich nicht um die erste Forderung dieser Art. Es hat in der Vergangenheit ähnliche Äußerungen nicht nur griechischer Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertreter gegeben. Neben Forderungen des griechischen Parlaments und der griechischen Regierung gab und gibt es Zivilklagen, die zum Teil abgelehnt wurden, zum Teil Erfolg hatten. Die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland hat beizeiten beschlossen, dass die Frage nach Reparationen für die Bundesrepublik Deutschland juristisch wie politisch abschließend geregelt ist, unter anderem aufgrund des zur Wiedervereinigung unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrages. Da mein Kabinett keinen dem entgegengestellten Beschluss gefasst hat, ist dies auch weiterhin unsere und meine Position.



      BUNDESKANZLER DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND A.D.
      VORSITZENDER DER SOZIALDEMOKRATISCHEN PARTEI A.D.
      PRÄSIDENT DES DEUTSCHEN BUNDESTAGES A.D.

      „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“ – Otto Wels

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    • Charlotte Rose schrieb:

      Sollte Griechenland Forderungen geltend machen, wird eine Bundesregierung unter Ihrer Führung sämtliche (juristische) Bestrebungen unternehmen, um keine Zahlungen leisten zu müssen?
      Die oben vorgetragene Meinung der Bundesregierung wird im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung auch juristisch vertreten. Das hätte selbstredend sein dürfen.



      BUNDESKANZLER DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND A.D.
      VORSITZENDER DER SOZIALDEMOKRATISCHEN PARTEI A.D.
      PRÄSIDENT DES DEUTSCHEN BUNDESTAGES A.D.

      „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“ – Otto Wels

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