Gedanken zum Nahen Osten

    • Tillmann Dietrich schrieb:

      Sophie Bloomberg schrieb:

      Ich halte mich da ehrlich gesagt lieber an die UN-Berichte. Klar, es dauert teilweise viele Monate und teilweise noch länger, dass die Untersuchungen abgeschlossen werden, aber es gibt bereits Berichte, die Giftgaseinsätze durch die syrische Regierung und auch den Islamischen Staat belegen.
      Zeigen Sie mir doch mal einen solchen Bericht.
      Sie glauben also, der Bericht ist falsch, habe ich Sie da richtig verstanden?


      Administrator
    • Ich finde es spannend, dass mein Beitrag doch solch eine lebendige Diskussion hervorgerufen hat ;)

      Kann nicht auf alles eingehen, aber zwei Punkte sind mir wichtig: Auch mit dem Blickwechsel auf einen anderen Krisenherd.
      Ein Land mit einem autoritären Mann an der Spitze ist ein sehr verlässlicher Partner. Denn, man weiß was er will. Darauf kann man sich einstellen.
      So unterhielt Gadaffi sehr gute Beziehungen mit Italien. Im Bürgerkrieg drohte er mit einer Masse an Flüchtlingen über das Mittelmeer wenn man ihn denn absetzen würde. Was ist das Resultat? Täglich versuchen tausende ihr Glück, weil es de facto kein Libyen mehr gibt.
      Dass Schleuser der NGO's die auch noch in Europa absetzen, macht alles noch schlimmer.
      Wo sind denn die ganzen Rufer nach Demokratie in dem Land heute?

      Was würden Sie denn, liebe Frau Bloomberg in der Türkei machen? Oppositionelle werden verhaftet, darunter "deutsche" Staatsbürger. Zensur, Aufstände von Andersdenkenden...Immerhin wollen wir nach Ihnen die Herausbildung einer Demokratie unterstützen.

      Und an Herrn Weiß: Wenn ich mir so die Aggressoren der letzten 20 Jahre anschaue, liegt Russland nicht vorne. Mit der Analyse sollte man mal vorsichtig 1989 anfangen und sich fragen, wieso sich Russland eingeengt fühlt.
      Aus dem gleichen Grund stützt China inoffiziell auch Nordkorea. Eine gemeinsame militärische Grenze mit den Amerikanern und damit der NATO, finden die nicht soooo prickelnd.
      Der Imperialismus Russlands ist eine westliche Erfindung.
      "Es ist in der Politik immer so, als wenn man mit unbekannten Leuten in einem unbekannten Lande geht. Wenn der eine seine Hand in die Tasche steckt, so zieht der andere den Revolver schon..." (Otto v. Bismarck)

      Be yourself, people don't have to like you and you don't have to care
    • Ich möchte hier auch einmal meine Meinung zu dem Thema kundtun:

      Ich sehe das so, dass wir in Deutschland eigentlich derzeit nicht in der Position sind, um über den möglichen Frieden in anderen Staaten zu sprechen, denn wir können nicht einmal in unserem eigenen Land tatsächlich für Frieden sorgen, wie die Ausschreitungen in Hamburg jüngst gezeigt haben. Als weiteres Beispiel könnte man die zum Teil entarteten Konflikte in Dresden zwischen PEGIDA und den Gegendemonstranten nennen.
      Um mich vorneweg abzusichern ist hier die Definition von Frieden, auf die ich mich beziehe:
      Negativer Begriff
      Häufig wird mit dem Begriff Frieden die Abwesenheit von Gewalt oder Krieg gemeint. In diesem Sinne wird Frieden zwischen und innerhalb von Nationalstaaten, Religionen und Bevölkerungsgruppen als Ziel vieler Personen und Organisationen, besonders der Vereinten Nationen verstanden.


      Positiver/negativer Frieden
      In der wissenschaftlichen Diskussion unterscheidet man zwischen dem oben genannten engen Friedensbegriff („negativer Frieden“), der die Abwesenheit von Konflikten beinhaltet, und einem weiter gefassten Friedensbegriff („positiver Frieden“). Letzterer umfasst neben dem Fehlen kriegerischer Gewalt, bei Johan Galtung direkte Gewalt genannt, auch das Fehlen kultureller und struktureller Gewalt. Nach dieser Definition bedeutet Frieden also zusätzlich das Fehlen einer „auf Gewalt basierenden Kultur“, sowie das Fehlen repressiver oder ausbeuterischer Strukturen. Ein struktureller Frieden wäre die konkrete Utopie eines sozialen Zusammenlebens in Harmonie und ohne Statuskämpfe und „Reibungsverluste“. Frieden wird hier positiv definiert als „die Fähigkeit […], Konflikte mit Empathie (= der Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellung und Mentalität anderer Menschen einzufühlen), mit Gewaltlosigkeit und mit Kreativität oder spielerisch zu klären und zu lösen.“ Dies erfordert neben kommunikativer Friedensarbeit das Erkennen der Bedeutung von „Rechtskommunikation“ und eine intensivere Beschäftigung mit den Ursachen streitlegenden Verhaltens, das mit „Machtkommunikation“ Streiteskalationen provoziert und begünstigt.

      (Zitat: de.wikipedia.org/wiki/Frieden#Friedensbegriffe)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Keylam Bannack ()

    • Thomas Bülow schrieb:

      Was würden Sie denn, liebe Frau Bloomberg in der Türkei machen? Oppositionelle werden verhaftet, darunter "deutsche" Staatsbürger. Zensur, Aufstände von Andersdenkenden...Immerhin wollen wir nach Ihnen die Herausbildung einer Demokratie unterstützen.
      Die Dinge werden doch angesprochen und das sollte auch weiter geschehen. Und was meinen Sie mit Herausbildunge einer Demokratie? Die Türkei war und ist nachwievor eine Demokratie, auch wenn die Demokratie in der Türkei derzeit eindeutig nicht mehr lupenrein ist und gefährdet ist.

    • Lupenrein war sie in Anbetracht der Lage der Kurden noch nie. Aber nette Idee. Und sie wird derzeit Tag für Tag weiter unterwandert. Erdogan weiß genau, dass sein Handeln keine Konsequenzen nach sich ziehen wird. Und da wird dann mal zugeschaut, während woanders Bomben fallen.
      "Es ist in der Politik immer so, als wenn man mit unbekannten Leuten in einem unbekannten Lande geht. Wenn der eine seine Hand in die Tasche steckt, so zieht der andere den Revolver schon..." (Otto v. Bismarck)

      Be yourself, people don't have to like you and you don't have to care
    • Neu

      Thomas Bülow schrieb:

      Liebe Mit- und Gegenstreiter,

      nachdem die Diskussion zum Thema vD-Leaks in eine falsche Richtung abdriftete, nun meine Gedanken in einem separaten Thema.

      Wir müssen uns von dem Gedanken der systematischen Weltverbesserer, wie sie etwas überraschend in einer hohen Konzentration in den Reihen der Konservativen vorkommt, verabschieden. Der Wunsch nach Demokratie in Syrien zum Beispiel ist sehr löblich, aber nicht umsetzbar.
      Ein politisches System muss sich immer aus dem Kern einer Gesellschaft heraus entwickeln. Und dieser Prozess braucht eine Weile. Eigentlich war ich der Meinung, dass nach den Fiaskos in Libyen, Irak oder Afghanistan mittlerweile alle dazugelernt hätten. Leider wurde ich gestern eines Besseren belehrt. Westliche Politiker, welche die gleiche Auffassung von Frau Bloomberg beispielsweise vertreten, tragen die Verantwortung an tausenden Toten in Bürgerkriegen.

      Als konkretes Beispiel möchte ich Libyen herausgreifen: Das Land war unter Gadaffi äußerst stabil und ein verlässlicher Partner für den Westen. Und die braucht es, auch wenn wir nicht mit Demokraten verhandeln. Im Rahmen des Arabischen Frühlings kam es zur Intervention Frankreichs, welches die Regierung stürzte. Seitdem gibt es de facto keine Staatsgewalt mehr. Die Folge: Null Kontrolle über die Grenzen, Flüchtlingsströme, Extremismus, Gewalt, Gesetzeslosigkeit. Der Grund liegt auf der Hand: Die Bürger sind nicht bereit für ein demokratisches System. Man kann keinem Land eine Staatsform aufzwingen. Entwickelt sie sich nicht aus Ihrem Inneren, haben sich westliche Akteure herauszuhalten.

      Das zweite Thema, welches diskutiert wurde, war Israel.
      Es steht außer Zweifel, dass der Staat gegen die Menschenrechtskonventionen der UN verstößt. Massenweise Enteignungen und der Drang zur Expansion lassen sich definitiv nicht mit dem Bestreben nach Sicherheit rechtfertigen. Insbesondere Deutschland muss erwachsen werden und diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit massiv verurteilen.
      Dass man sich gegen extremistische Angriffe aus der arabischen Welt effektiv wehren muss, steht außer Frage. Hat damit jedoch rein gar nichts zu tun.
      Jeder, der die israelische Politik bagatellisiert, macht sich mitschuldig an diesen Verbrechen. Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass Deutschland mit etlichen Schenkungen die israelische Marine hauptsächlich aufrüstet.

      Grüße,
      Thomas Bülow
      Ihre Ansprache erinnert mich an das Berliner Establishment der Linken. Nicht der Gewalttäter trägt im Kern die Schuld, sondern der politische Funktionär. Insofern trägt nicht der Bastard, der in Syrien respektive Irak mordet, seine niedersten Instinkten auslebt, Frauen und / oder Kinder vergewaltigt, kurzum die Sau richtig rauslässt, Schuld an sein handeln. Nein, er ist vielmehr Opfer, Opfer der internationalen Politik. Er kann ja im Grunde nichts für seine Taten, nein, Menschen wie Frau Bloomberg trügen für diese menschliche Verfehlung Verantwortung.

    • Neu

      Pierre Cauchon schrieb:

      Thomas Bülow schrieb:

      Liebe Mit- und Gegenstreiter,

      nachdem die Diskussion zum Thema vD-Leaks in eine falsche Richtung abdriftete, nun meine Gedanken in einem separaten Thema.

      Wir müssen uns von dem Gedanken der systematischen Weltverbesserer, wie sie etwas überraschend in einer hohen Konzentration in den Reihen der Konservativen vorkommt, verabschieden. Der Wunsch nach Demokratie in Syrien zum Beispiel ist sehr löblich, aber nicht umsetzbar.
      Ein politisches System muss sich immer aus dem Kern einer Gesellschaft heraus entwickeln. Und dieser Prozess braucht eine Weile. Eigentlich war ich der Meinung, dass nach den Fiaskos in Libyen, Irak oder Afghanistan mittlerweile alle dazugelernt hätten. Leider wurde ich gestern eines Besseren belehrt. Westliche Politiker, welche die gleiche Auffassung von Frau Bloomberg beispielsweise vertreten, tragen die Verantwortung an tausenden Toten in Bürgerkriegen.

      Als konkretes Beispiel möchte ich Libyen herausgreifen: Das Land war unter Gadaffi äußerst stabil und ein verlässlicher Partner für den Westen. Und die braucht es, auch wenn wir nicht mit Demokraten verhandeln. Im Rahmen des Arabischen Frühlings kam es zur Intervention Frankreichs, welches die Regierung stürzte. Seitdem gibt es de facto keine Staatsgewalt mehr. Die Folge: Null Kontrolle über die Grenzen, Flüchtlingsströme, Extremismus, Gewalt, Gesetzeslosigkeit. Der Grund liegt auf der Hand: Die Bürger sind nicht bereit für ein demokratisches System. Man kann keinem Land eine Staatsform aufzwingen. Entwickelt sie sich nicht aus Ihrem Inneren, haben sich westliche Akteure herauszuhalten.

      Das zweite Thema, welches diskutiert wurde, war Israel.
      Es steht außer Zweifel, dass der Staat gegen die Menschenrechtskonventionen der UN verstößt. Massenweise Enteignungen und der Drang zur Expansion lassen sich definitiv nicht mit dem Bestreben nach Sicherheit rechtfertigen. Insbesondere Deutschland muss erwachsen werden und diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit massiv verurteilen.
      Dass man sich gegen extremistische Angriffe aus der arabischen Welt effektiv wehren muss, steht außer Frage. Hat damit jedoch rein gar nichts zu tun.
      Jeder, der die israelische Politik bagatellisiert, macht sich mitschuldig an diesen Verbrechen. Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass Deutschland mit etlichen Schenkungen die israelische Marine hauptsächlich aufrüstet.

      Grüße,
      Thomas Bülow
      Ihre Ansprache erinnert mich an das Berliner Establishment der Linken. Nicht der Gewalttäter trägt im Kern die Schuld, sondern der politische Funktionär. Insofern trägt nicht der Bastard, der in Syrien respektive Irak mordet, seine niedersten Instinkten auslebt, Frauen und / oder Kinder vergewaltigt, kurzum die Sau richtig rauslässt, Schuld an sein handeln. Nein, er ist vielmehr Opfer, Opfer der internationalen Politik. Er kann ja im Grunde nichts für seine Taten, nein, Menschen wie Frau Bloomberg trügen für diese menschliche Verfehlung Verantwortung.
      Ach an die Linken? Formulieren Sie doch bitte Ihren Ansatz mal neutral?
      Und wie definieren Sie bitte einen "Bastard"?
      "Es ist in der Politik immer so, als wenn man mit unbekannten Leuten in einem unbekannten Lande geht. Wenn der eine seine Hand in die Tasche steckt, so zieht der andere den Revolver schon..." (Otto v. Bismarck)

      Be yourself, people don't have to like you and you don't have to care